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Sport-News

19.04.2007

Kiel und Flensburg schreiben Handball-Geschichte

Hamburg (dpa) - Zweieinhalb Monate nach dem WM-Triumph der Nationalmannschaft wird im Norden Deutschlands Handball-Geschichte geschrieben. Mit der SG Flensburg-Handewitt und dem THW Kiel stehen sich zum erstmals zwei deutsche Mannschaften im Finale der Champions League gegenüber.

Bisher war die «Königsklasse» eine spanische Domäne gewesen: Seit der Einführung der Champions League 1993 gewannen Teams aus der Liga Asobal zehn von 13 Titeln. Nur einmal gelang es einem Bundesligisten, in diese Dominanz einzudringen: Im Jahr 2002 setzte sich der SC Magdeburg im Finale gegen Fotex Veszprem (Ungarn) durch.

Neben Magdeburg hatten vor dieser Saison nur zwei weitere deutsche Mannschaften das Endspiel erreicht: 2004 unterlag Flensburg-Handewitt gegen Celje Pivovarna Lasko (Slowenien), im Jahr 2000 verlor Kiel gegen den Champions-League-Rekordsieger FC Barcelona. Und noch nie konnte eine deutsche Mannschaft zudem vor dieser Spielzeit in einer Champions-League-K.o.-Runde einen spanischen Club aus dem Rennen werfen. Diese «schwarze Serie» durchbrach erstmals Flensburg-Handewitt im Viertelfinale mit dem Erfolg über Barcelona.

«Es ist der absolute Höhepunkt - mehr geht nicht», sagte Flensburgs Geschäftsführer Thorsten Storm vor dem ersten Teil des Nord-Klassikers am 22. April in eigener Halle. Für den deutschen Meister und Tabellenführer Kiel ist nach dem jüngsten Erfolg im DHB-Pokal sogar ein historisches «Triple» in Reichweite. «Die Champions League ist ein Traum von uns. Dafür haben wir jahrelang gekämpft», sagte THW-Manager Uwe Schwenker.

Um europäische Titel kämpfen auch der HSV Hamburg (im Pokalsieger-Wettbewerb gegen Ademar Leon) und der SC Magdeburg (im EHF-Pokal gegen BM Aragon), doch der schleswig-holsteinische Gipfel in der «Königsklasse» stellt die beiden deutsch-spanischen Duelle in den Schatten. Als bislang einzige deutsche Mannschaft hat Magdeburg die Champions League gewonnen (2002), Kiel (2000 gegen Barcelona) und Flensburg (2004 gegen Celje) scheiterten jeweils im Finale.

«Beide Vereine wollen diesen Titel unbedingt. Es ist der Titel, der Flensburg und auch Kiel noch fehlt», sagte Storm, der die Chancen ausgeglichen bei 50:50 sieht. Für Flensburg stehen sie aber weit besser als noch vor einer Woche - schließlich muss Kiel definitiv auf seinen Spielmacher Stefan Lövgren verzichten, der sich im Pokalfinale gegen die SG Kronau/Östringen einen Sehnenabriss im Oberschenkel zuzog. «Er ist das Herzstück der Mannschaft, der verlängerte Arm des Trainers, der Leitwolf», sagte Schwenker, der angesichts der weiteren Ausfälle von Lars Krogh Jeppesen, Viktor Szilagyi, Marcus Ahlm und Henning Fritz die Favoritenrolle der SG zuschiebt. «Uns fehlen fünf Weltklasse-Spieler - da ist klar, wer der Favorit ist», betonte er.

Die traditionelle Rivalität zwischen den beiden nur 90 Kilometer entfernten Handball-Hochburgen wird von den beiden Machern jedoch eher heruntergespielt. «Natürlich ist die jedes Mal da, aber es geht um die Champions League, nicht um Kiel», sagte Storm. Schwenker erklärte: «Man sollte das nicht nur negativ sehen. Beide Vereine profitieren auch von der Rivalität - etwa beim Sponsoring.»

Für die Fans im handballverrückten Norden ist das Duell ein besonderer Leckerbissen. Die Hallen in Kiel und Flensburg, wo Dauerkarten als unantastbarer Familienbesitz gelten und regelrecht vererbt werden, sind natürlich längst ausverkauft. Um noch eine der Restkarten zu ergattern, übernachteten einige Anhänger sogar vor den Kassenhäuschen. Dennoch ist Schwenker mit dem vermeintlichen «Traumfinale» nicht ganz glücklich. «Es wäre deutlich leichter gewesen, gegen eine spanische Mannschaft zu spielen», sagte er.

Den Vergleich mit Spanien treten nun Magdeburg und Hamburg an - beide mit guten Chancen auf den Titel. Dass alle drei europäischen Pokale in ein Land gingen, gab es bislang nur zwei Mal: 1994 und 1995 räumten spanische Teams alles ab und dominierten danach auch die Champions League. Nun steht die Liga Asobal als stärkste Liga Europas vor der Ablösung durch die Bundesliga. «Der beste Handball wird derzeit in Deutschland gespielt», sagte Schwenker, «vielleicht sogar in Schleswig-Holstein».

 

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